Magnesiumchlorid Wirkung und Anwendung

Autor: Dr. Harald Stephan, Fachautor

Magnesiumchlorid gilt in der Alternativmedizin als wahres Wundermittel, dem man zahlreiche positive Eigenschaften zuschreibt.

Der Mineralstoff übernimmt im Körper wichtige Funktionen, die die Folgen von Magnesiummangel und die Wirksamkeit einer Magnesiumzufuhr erklären.

Magnesiumchlorid Anwendung und Wirkung

Magnesiumchlorid Anwendung und Wirkung

Was ist Magnesiumchlorid?

In der Natur kommt Magnesiumchlorid in kleinen Mengen im Süßwasser, in großer Menge im Meerwasser und konzentriert in Salzseen vor. Auch in Sedimenten ozeanischen Ursprunges findet man es als Mineral, meist zusammen mit Kalium oder Natrium.

Magnesiumchlorid ist ein Salz des Alkalimetalls Magnesium. Dabei liefert Magnesium das positiv geladene Kation Mg2+, Chloridverbindungen das zugehörige negativ geladene Anion Cl-. Das weiße Salz erhält man in Form von Pulver, Flocken oder Grobsalz. Allen Formen ist gemein, dass sie sehr stark Wasser anziehen – auch aus der Luftfeuchtigkeit, eine Eigenschaft, die man als hygroskopisch bezeichnet. Daher muss man Magnesiumchlorid immer gut verschlossen aufbewahren, da es sich sonst in einen Brei und schließlich eine Flüssigkeit verwandelt.

Diese Wasserbindefähigkeit ist so stark, dass Magnesiumchlorid normalerweise in Form eines Hexahydrates vorliegt. Das bedeutet, dass das Salz Kristallwasser eingelagert hat, und zwar jeweils sechs Moleküle Wasser pro Magnesium- und Chloridion in ihrem Kristallgitter. Das sogenannte Anhydrat des Magnesiumchlorids, in dem kein Kristallwasser vorhanden ist, spielt nur im chemischen Labor und in der Industrie eine Rolle.

Vom Geschmack her ist Magnesiumchlorid recht bitter.

Allgemein zu Magnesiumchlorid
Name Magnesiumchlorid
E-Nummer E 511
Verhältnisformel MgCl2
Beschreibung Bei Magnesiumchlorid handelt es sich um farblose, zerfließliche,
bitter schmeckende hexagonale Kristalle.
Eigenschaften von Magnesiumchlorid
Molare Masse
  • 95,21 g·mol−1 (wasserfrei)
  • 203,3 g·mol−1 (Hexahydrat)
Aggregatzustand fest
Dichte
  • 2,32 g·cm−3 (20 °C, wasserfrei)
  • 1,57 g·cm−3 (20 °C, Hexahydrat)
Schmelzpunkt
  • 712 °C (wasserfrei)
  • ca. 118 °C (Hexahydrat, Zersetzung)
Siedepunkt
  • 1412 °C (wasserfrei)
Löslichkeit
  • leicht in Wasser (542 g·l−1 bei 20 °C, wasserfrei)
  • sehr leicht in Wasser (2350 g·l−1 bei 20 °C, Hexahydrat)
Gewinnung von Magnesiumchlorid
aus Magnesiumoxid mit Kohlenstoff und Chlor
MgO + Cl2 + C → MgCl2 + COoder Magnesiumhydroxid und Salzsäure
Mg(OH)2 + 2HCl → MgCl2 + 2H2Ooder durch Umsetzung von Magnesium mit Salzsäure
Mg + 2HCl → MgCl2 + H2

 


Magnesiumchlorid Wirkung – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Magnesium ist ein Mineralstoff, den der Körper nicht selbst bilden kann und auf dessen Zufuhr mit der Nahrung er angewiesen ist.
  2. Eine Minderversorgung führt zu den Symptomen eines Magnesiummangels.
  3. Die Wirkung von Magnesium beruht auf seinen Funktionen bei Muskelaktivität, Nervenleitung, im Immunsystem und Hormonhaushalt.
  4. Eine Möglichkeit zur Magnesiumversorgung besteht in der Aufnahme von Magnesiumchlorid als Nahrungsergänzung. Damit lässt sich ein Magnesiummangel ausgleichen.
  5. Magnesiummangel ist eine Indikation für eine erhöhte Magnesiumaufnahme.

Wie erklärt sich die Wirkung von Magnesiumchlorid?

Magnesium ist ein wichtiger Mineralstoff, den der Körper für zahlreiche Stoffwechselprozesse benötigt. In vielen Fällen agiert das Magnesium antagonistisch zu Calcium, so wie bei Muskelaktivität und Nervenleitung. Daher ist ein ausgeglichenes Verhältnis von Magnesium und Calcium im Körper wichtig – das gilt auch für die Aufnahme beider Mineralstoffe über die Nahrung.

Den größten Teil des körpereigenen Magnesiums findet man im Knochen, der als Speicher dient. Von dort aus setzt der Körper Magnesium ins Blut frei, sobald Bedarf besteht. Magnesium benötigt er für

  • Energiestoffwechsel
  • Immunsystem
  • Muskelaktivität (gilt für Skelettmuskel, Herzmuskel und glatte Muskulatur der Eingeweide!)
  • Hormonhaushalt
  • Funktion des Nervensystems.

Magnesiumwirkung: Wie viel Magnesium sollte ich im Blut haben?

Der Hausarzt kann im Labor den Blutwert des Magnesiums im Labor bestimmen lassen. Der Referenzbereich liegt bei 0,8 – 1,2 mmol/l (entsprechend 2 – 3 mg/dl).

Magnesiumchlorid-Wirkung und Magnesiummangel

Eine Zufuhr von Magnesiumchlorid ist bei Magnesiummangel angesagt. Dieser tritt auf, wenn

  • zu wenig Magnesium in der Nahrung vorhanden oder
  • die Aufnahme über die Darmschleimhaut gestört ist,
  • infolge Durchfällen nicht ausreichend aufgenommen werden kann,
  • Hormonstörungen vorliegen und wenn
  • ein besonders hoher Bedarf vorliegt.

Aufnahmestörungen findet man bei vielen Patienten mit Darmerkrankungen, und einen erhöhten Magnesiumbedarf haben vor allem Sportler, Raucher, Kinder durch ihr körperliches Wachstum sowie Frauen in Schwangerschaft und Stillzeit oder bei Einnahme der „Pille“.

Zu niedrige Magnesium-Blutwerte findet man bei Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreoidismus) und der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus). Einen hohen Bedarf haben auch Krebszellen, sodass bei Leukämien und Lymphomen ein Magnesiummangel eintritt.

Anzeichen eines Magnesiummangels, die durch erhöhte Zufuhr von Magnesium verbessert werden können, sind

  • Muskelkrämpfe wie nächtliche Wadenkrämpfe,
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck,
  • Nervenleitungsstörungen und neurologische Symptome wie Schlafstörungen und depressive Verstimmungen.

In all diesen Fällen muss der Arzt einen Magnesiummangel als Ursache sicher diagnostiziert haben, da auch zahlreiche andere Gründe für diese Symptome infrage kommen.

Was ist von Magnesiumöl zu halten?

Magnesiumöl nennt man eine hochkonzentrierte Lösung von MgCl2 in Wasser zur äußerlichen Anwendung, etwa zum Aufsprühen oder als Fußbad und Badezusatz. In der Alternativmedizin gilt dieses als Wundermittel für Erkrankungen von A wie Arthritis bis Z wie Zahnbeschwerden. Der Begriff Magnesiumöl, kommt eher von der Konsistenz, da die fertige Lösung sich schmierig ölig anfühlt.

Wissenschaftliche Belege für eine Wirkung von Magnesiumchlorid in öligen Zubereitungsformen gibt es nicht. Zudem gibt es keine Hinweise für positive Effekte bei Magnesiummangel oder sogar darüber hinaus, wie in etlichen Quellen beschrieben. Der Körper kümmert sich bei ausreichenden Magnesiumreserven selbst um die Versorgung seiner Zellen, sodass eine lokale Anwendung unsinnig erscheint. Darüber hinaus entbehrt die transdermale Verabreichung eines wasserlöslichen Salzes in einer ölhaltigen Arzneiform ohnehin jeder logischen Grundlage.

Vorsicht: Wo eine Wirkung ist, gibt es auch Nebenwirkungen!

Ein altes Credo der Medizin: Alles, was wirkt, kann auch Nebenwirkungen haben. Im Falle von Magnesiumchlorid gilt das vor allem für eine Überdosierung, gemäß dem alten Leitsatz von Paracelsus Die Dosis macht, dass ein Ding ein Gift sei. Magnesiumchlorid ist in der Regel gut verträglich, aber man darf man es mit der Anwendung nicht übertreiben.

Die hervorstechendste Begleiterscheinung hoher Dosen Magnesiumchlorid ist dessen abführende Wirkung. Daher sollte man es bei Verdauungsbeschwerden und Durchfällen besser nicht verwenden.

Demensprechend darf man Magnesiumchlorid nicht bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) oder der Zöliakie bei Glutenunverträglichkeit anwenden.

Magnesium in hohen Dosen beeinflusst die Nierenfunktion – eine Anwendung bei Nierenerkrankungen wie chronischer Niereninsuffizienz oder Nierenversagen, etwa bei Dialysepatienten, ist daher streng kontraindiziert.

Magnesiumionen beeinflussen die Wirkung von Herzmedikamenten, Kortikoiden, Antibiotika und Eisenpräparaten. Lassen Sie sich gegebenenfalls in Ihrer Apotheke oder von Ihrem Hausarzt beraten.

Patienten mit Osteoporose müssen bei Einnahme von Calcium wie auch Magnesium auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D achten, sonst kann sich die Erkrankung weiter verschlimmern.

Vor einer längerfristigen Einnahme hoher Dosen Magnesiumchlorid empfiehlt es sich, den Hausarzt zu fragen, ob diese Maßnahme sinnvoll ist.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Gefahrstoffinformationssystem der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (GESTIS-Stoffdatenbank) online: Magnesiumchlorid zur Webseite.
  • Jürgen Falbe, Manfred Regitz, Hermann Römpp: Römpp Chemie Lexikon. 9. Auflage. Stuttgart 1999: Georg Thieme-Verlag. ISBN-10: 3131027592.
  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
  • Birgid Neumeister, Bernhard O. Böhm: Klinikleitfaden Labordiagnostik. Elsevier Urban & Fischer Verlag 2018. ISBN-10: 3437222341.
  • Barbara Hendl: Das Magnesium-Buch: Schlüsselmineral für unsere Gesundheit – Magnesiummangel rechtzeitig erkennen und behandeln. 4. Auflage. Kirchzarten 2016: VAG-Verlag. ISBN-10: 3867311536.
  • Kerstin Menzel: Die Heilkraft von Magnesiumöl: Wie Sie Ihr Gewicht reduzieren, besser schlafen und Krankheiten vorbeugen mit der transdermalen Magnesiumtherapie. München 2016: Riva-Verlag. ISBN-10: 386883978X.
  • Brigitte Hamann: Magnesiumöl: Das Wundermineral – Einfach und effektiv über die Haut abnehmen. Rottenburg 2016: Kopp-Verlag. ISBN-10: 3864452341.

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