Was ist eine Magnesiumverlusterkrankung?

Magnesiumverlusterkrankung

Angeborene Magnesiumverlusterkrankungen sind seltene, familiär bedingte Krankheiten, die zu einer übermäßigen Ausscheidung von Magnesiumionen über die Nieren oder einer verminderten Aufnahme über den Darm führen.

Beide Formen äußern sich in verminderten Magnesium-Blutwerten und werden daher als hereditäre Hypomagnesiämien bezeichnet.

Magnesiummangel - Magnesiumverlusterkrankung

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Das Gleichgewicht des Magnesiums im Körper

Über 99 Prozent des körpereigenen Magnesiums finden sich in Knochen und innerhalb der Zellen der Gewebe, im Blutserum nur etwa ein Prozent. Im Blut sind etwa 30 Prozent an Eiweiße gebunden und liegen die restlichen 70 Prozent als freie Ionen vor.

Die Serumkonzentration von Magnesium liegt im menschlichen Körper normalerweise zwischen 0,8 und 1,2 mmol/l. Die Regulation dieses relativ eng begrenzten Wertes ist das Ergebnis eines empfindlichen Gleichgewichtes aus Magnesiumaufnahme über den Darm, Speicherung im Knochen und Ausscheidung über die Nieren: Was an Magnesium verbraucht oder ausgeschieden wird, nimmt der Körper über die Nahrung auf oder rekrutiert es aus den Reserven in der Knochensubstanz; was zuviel ist, scheidet er über die Nieren wieder aus.

Ebenfalls eine wichtige Rolle spielt die Verteilung von extrazellulärem und intrazellulären Magnesium: Die Serumkonzentration des Magnesiums entspricht der extrazellulären Konzentration.


Angeborene Magnesiumverlusterkrankungen – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Der Magnesium-Blutwert wird vom Körper innerhalb enger Grenzen reguliert. Stellschrauben dieses Regulationsmechanismus‘ sind die Aufnahme von Magnesiumionen über den Darm, ihre Speicherung in der Knochensubstanz, die Ausscheidung über die Nieren sowie das Verhältnis zwischen intrazellulärem und extrazellulärem Magnesium.
  2. Einige familiäre Erkrankungen führen dazu, dass diese empfindliche Homöostase gestört ist. Da sie zu Erniedrigungen des Magnesium-Blutwertes führen, bezeichnet man diese als hereditäre Hypomagnesiämien.
  3. Klinisch unterteilt man die hereditären Hypomagnesiämien in intestinale (auf den Darm zurückgehende) und renale (durch die Nieren verursachte) sowie nach der Art des Erbganges in autosomal rezessive und autosomal dominante Formen.
  4. Die meisten Formen der familiären Hypomagnesie verlaufen klinisch unauffällig, bis die Serumkonzentration von Magnesium deutlich unter den Normwert sinkt.
  5. In extremen Fällen besteht unmittelbare Lebensgefahr durch das Auftreten von Herzrhythmusstörungen.

Die Rolle der Nieren bei der Magnesiumhomöostase

Ein wichtiges Regulativ beim Gleichgewicht des Magnesiums sind die Nieren. In ihren Glomeruli scheiden sie täglich bis zu 160 Liter Primärharn aus – mit allen Inhaltsstoffen des Blutserums abzüglich großer Moleküle wie Eiweiße. Die Kapillarwände des Gefäßendothels arbeiten wie ein Filter, der alle kleinen Ionen und Moleküle, so auch Wasser und Magnesium, durchlässt und nur große Moleküle wie Eiweiße zurückhält.

Aus diesem als Primärharn bezeichneten Ultrafiltrat muss der Körper sich die wichtigsten Ionen und einige andere Substanzen zurückholen. Das geschieht durch aktive Transportprozesse, die Energie verbrauchen. Dafür sind spezielle Kanäle notwendig, die jeweils für bestimmte Ionen, so auch Magnesium spezifisch sind. Einige der Magnesiumtransporter arbeiten als „Kotransporter“ und transportieren neben Magnesiumionen gleichzeitig auch Natrium- und Chloridionen.

Wie viel zurückgeholt werden muss, entscheiden spezielle Sensoren, die die Ionenkonzentrationen von Calcium und Magnesium im Serum und im Primärharn messen und so verrechnen, dass hinterher im Blut wieder der richtige Referenzbereich eingehalten werden kann.

Normalerweise holt sich die Niere rund 95 Prozent des Magnesiums aus dem Primärharn wieder zurück, bevor es mit den Endharn ausgeschieden wird. Herrscht Magnesiummangel, sind die Leistungen der Niere bei der Rückresorption beträchtlich: Bis zu 99,5 Prozent kann sie dem Ultrafiltrat entziehen.

Was ist eine Hypomagnesie und wie kommt sie zustande?

Hypomagnesie bedeutet, dass der Magnesium-Blutwert unter 0,8 mmol/l abfällt. In den weitaus meisten Fällen ist das durch eine unzureichende Magnesiumversorgung bedingt, sei es durch zu wenig Magnesium in der Nahrung oder Störungen der Magnesiumaufnahme im Darm infolge von Darmerkrankungen oder Durchfällen.

In einigen seltenen Fällen handelt es sich um Erbkrankheiten, die man als familiäre oder hereditäre (vererbliche) Hypomagnesiämien bezeichnet. Kennzeichnend für viele dieser Erkrankungen ist, dass sie mit einer gleichzeitig gestörten Kalium- und/oder Calciumhomöostase einhergehen (Hypokaliämie und Hypokalzämie).

Man unterscheidet die hereditären Hypomagnesien nach dem Ort ihrer Ursache in renale (nierenbedingte) und intestinale (im Darm entstehende) Formen und diese weiter nach der Art des Erbganges in dominante und rezessive Hypomagnesiämien. Sie manifestieren sich bereits im Kindesalter.

Welche Formen von angeborenen Magnesiumverlusterkrankungen gibt es?

Bei den intestinalen Magnesium-Reabsorptionsstörungen ist das beteiligte Gen bisher unbekannt. Man weiß nur, dass der Schaden auf Chromosom 9 liegt und autosomal-rezessiv vererbt wird. Kennzeichnend ist eine sekundäre Hypokalzämie.

Ebenfalls unbekannt ist die Ursache der primären Hypomagnesiämie, die entweder autosomal-rezessiv auftritt und die Calciumausscheidung nicht beeinflusst oder bei der autosomal-dominanten Form auf eine Störung der Natrium-Kalium-ATPase zurückzuführen ist, die die Energie für die Rückresorption in den Nierentubuli liefert und zu verminderter Calciumausscheidung führt.

Störungen der Calcium-Magnesium-Sensoren, die die Ionenkonzentrationen im Serum messen, findet man beim neonatalen Hyperparathyreoidismus, hypokalzämischen Hypoparathyroidismus (Über- beziehungsweise Unterfunktion der Nebenschilddrüsen) und der benignen hypokalziurischen Hyperkalzämie. Hierbei werden sowohl Magnesium als auch Calcium vermehrt ausgeschieden.

Defekte des zellverbindenden Paracellin-1 führen zur familiären Hypomagnesieämie mit Hyperkalzurie und Nephrokalzinose. Folge dieser Erkrankung ist der Verlust zur Ankonzentrierung des Primärharn (Isothenurie) mit resultierenden Nierensteinen, großen Harnmengen und übermäßigem Durst.

Das Gitelman-Syndrom betrifft den Natrium-Chlorid-Kotransporter und wird autosomal-rezessiv weitergegeben. Beim Bartter-Syndrom ist der Chloridkanal der Nierentubuli beeinträchtigt. Bei beiden findet neben akuten Magnesiumverlusten eine gesteigerte Ausscheidung von Natrium- und Chloridionen statt, die zur einer Alkalose des Blutes führen und den Blutspiegel der Nierenhormone Renin und Aldosteron krankhaft erhöhen.

Wie sind die Symptome der angeborenen Magnesiumverlusterkrankungen?

Die Beschwerden sind die gleichen wie bei einer ernährungsbedingten (erworbenen) Hypomagnesiämie: In milden Fällen gibt es kaum Symptome, später kommen muskuläre Beschwerden wie Krämpfe und Nervenleitungsstörungen hinzu. Sie beeinträchtigen zudem die Mineralisierung der Knochen und führen zu Verkalkungen der Nieren bis hin zur Niereninsuffizienz.

Klinisch am bedenklichsten sind neben Niereninsuffizienzen die Auswirkungen auf die Herzmuskulatur in Form von Herzrhythmusstörungen (ventrikuläre Arrhythmien). Diese können unbehandelt lebensbedrohliche Ausmaße annehmen.

Quellen, Links und weiterführende Literatur


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